41% der 3- bis 6-Jährigen sind im Internet? Eine Gegendarstellung

Bild BlogErst kürzlich ging diese „Horrormeldung“ durch Österreichs Medien. Zeitungen und Online-Portale schrieben „Hierzulande surfen die jungen Kinder durchschnittlich eine Stunde pro Woche“ (z.B. oe24.at, 31.1.13). Die zitierte Studie wurde von der Initiative SaferInternet.at in Auftrag gegeben.

Ich war sehr überrascht, diese Schlagzeilen zu lesen, weiß ich doch aus unzähligen Studien, eigener Erfahrung und Kinderbefragungen, was Kinder ab wann im Internet können. „Surfen“ gehört in jungen Jahren unter 6 nicht dazu. Zur Erklärung: „Surfen“ setzt sichere Lese- und Schreibkenntnisse voraus, da man nur so von einer Internetseite zur nächsten gelangen kann.

Wenn man die Studie ganz genau liest, erkennt man, dass hier gefragt wurde, welche Internet-fähigen Geräte es im Haushalt gibt und mit welchen Geräten sich das Kind zumindest gelegentlich beschäftigt. Daraus entstand die Zahl 41%. Somit kann man argumentieren, dass 41% der Kinder im Internet sind, da sie ja an internettauglichen Geräten hantieren (spielen), sie „surfen“ aber größtenteils nicht.

In einer großen Studie der deutschen Agentur „Elements of Art“ im Jahr 2010 wurde untersucht, welche Fähigkeiten Kinder im Umgang mit Computern und Internet ab wann entwickeln: Daten eingeben können 6- bis 7- jährige Kinder nur mit Hilfe, erst ab 8 Jahren bewerkstelligen sie dies eigenständig. Ab 8 haben sie einen geübten Umgang mit Maus, Tastatur und Touchpad.

Für verantwortungsvolles Kindermarketing hat dieses Wissen über Online-Können von Kindern wichtige Implikationen: Es stellen sich die Fragen, ob man Kinder online ansprechen will, ab welchem Alter und mit welchen Inhalten. Sollten Sie aufgrund der Headline „41%  der 3- bis 6-Jährigen sind im Internet“, schon eine Webseite geplant haben oder Ihre Media-Agentur angerufen haben – sparen Sie sich das Geld: Kinder unter 8 sind KEINE lohnende oder ethisch richtig adressierte Zielgruppe im Internet.

Natürlich ist Internetsicherheit ein vorrangiges Thema und alle Kinder müssen geschützt werden, ob sie nun an internetfähigen Geräten spielen oder richtig von Seite zu Seite surfen. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Internet sollte alters- und gefahrenspezifisch so früh wie möglich vermittelt werden.


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Die Unternehmensberatung für verantwortungsvolles Kindermarketing
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